Arzt diktiert medizinischen Befund über Spracherkennung
Effizienz
9 Minuten Lesezeit
Praxisleitfaden 2025

Spracherkennung in der Medizin: Was 2025 wirklich funktioniert

Ein ehrlicher Blick aus der Praxis: Genauigkeit, Kosten, DSGVO, Dragon-Alternativen – und die Workflows, die Ärztinnen und Ärzte in DE/AT/CH wirklich schneller machen.

Wenn wir unter Kolleginnen und Kollegen über Spracherkennung in der Medizin sprechen, kommen immer dieselben Fragen: Wie genau ist das inzwischen wirklich? Lohnt sich Dragon noch? Wie ist das mit DSGVO in Deutschland, Österreich und der Schweiz? Und ganz nüchtern: Spart mir das unterm Strich Zeit oder mache ich mir nur neue Baustellen auf – vor allem, wenn ich ohnehinArztberichte schreiben und Diagnosen sauberICD-10 kodieren muss?

Ich habe in meiner Praxis in den letzten 18 Monaten drei Setups ernsthaft getestet – mit echten Arztbriefen, Befunden und täglicher Routine. Hier sind meine Ergebnisse, ohne Marketing-Glitzer, dafür mit konkreten Zahlen und praxistauglichen Workflows.

Zeitersparnis/Tag

60–90 Min

DSGVO-Setup

EU-Region (europe-west1)

Erst-Genauigkeit

95–98% je nach Fach

Kurzfassung (für Eilige)

  • Beste Kombi 2025: Diktieren → KI strukturiert → Arzt korrigiert. Reine Spracherkennung ist nur der erste Schritt; die Zeitersparnis kommt durch Strukturierung undVorlagen.
  • Genauigkeit: Gute Headsets + ruhiger Raum schlagen jedes Modell-Upgrade. Medizinische Fachbegriffe sind heute kein Problem mehr.
  • DSGVO: Achten Sie auf EU-Verarbeitung (z. B. europe-west1) und klare AV-Verträge.
  • Wirtschaftlichkeit: Ab ~2–3 Stunden Berichte/ Woche lohnt es sich fast immer.

Welche Systeme habe ich getestet?

Ich habe bewusst nicht im Labor getestet, sondern im echten Praxisalltag. Drei Setups hatten am Ende die Nase vorn:

Dragon Medical (Cloud)

Vorteile

  • Sehr ausgereift
  • Hohe Erst-Genauigkeit
  • Gute Korrektur-Shortcuts

Nachteile

  • Lizenzkosten
  • Vendor-Lock-in
  • Workflow starr

Cloud-ASR + Vorlagen

Vorteile

  • Gute Genauigkeit
  • Flexibler Workflow
  • Günstiger

Nachteile

  • Setup nötig
  • Headset-Qualität entscheidend

DocReport (mein Setup)

Vorteile

  • Diktat + KI-Struktur
  • GOÄ/EBM-Vorschläge
  • Deutsch, FR, IT, TR

Nachteile

  • Neues Tool lernen
  • Beste Ergebnisse mit kurzer Eingewöhnung

Mein praxiserprobter Workflow (funktioniert in jeder Fachrichtung)

  1. Kurz diktieren (60–90 Sekunden): Leitsymptome, relevante Befunde, Diagnose, Therapie. Keine Romane, nur Bausteine.
  2. Strukturieren lassen: Die KI (z. B. in DocReport) baut daraus Anamnese → Befund → Diagnose → Therapie → Weiteres Vorgehen.
  3. Vorlage + Codes: Passende Vorlage wählen, ICD-10/GOÄ/EBM Vorschläge prüfen.
  4. 1× querlesen, fertig: Zahlen, Namen, Medikamente prüfen – speichern.

Der Trick ist nicht die Spracherkennung an sich, sondern was danach passiert. Wer nur Rohtext diktiert, spart wenig. Wer strukturiert, spart massiv.

Arztpraxis mit Headset und Laptop – modernes Diktieren

Was kostet das – und ab wann lohnt es sich?

Ein ehrlicher Überblick (Stand 2025, grob gerundet, netto): Headset (80–180€ einmalig), ASR (10–40€ / Monat bei Cloud-Anbietern), Dragon Medical (ca. 60–120€ / Monat). DocReport liegt – je nach Paket – in ähnlicher Größenordnung, enthält aber Vorlagen, Strukturierung und Abrechnungsvorschläge.

Rechnet man nur die Arztzeit, lohnt es sich ab ~2–3 Stunden Dokumentation pro Woche. Wer täglich 5–10 Arztbriefe tippt, spürt den Effekt bereits nach dem ersten Tag.

Praxis-Tipp

Diktieren + KI-Struktur = Tempo x3

Testen Sie DocReport 14 Tage kostenlos: Diktate werden automatisch strukturiert, Vorlagen gefüllt und GOÄ/EBM/ICD-10 vorgeschlagen. Funktioniert in typischen Hausarztpraxen genauso wie in fachärztlichen MVZ – auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Türkisch.

DSGVO (EU) Spracherkennung inkl. Vorlagen + Codes

DSGVO in DE/AT/CH: Worauf ich achte

  • Verarbeitung in der EU (z.\u00a0B. europe-west1)
  • Auftragsverarbeitungsvertrag und TOMs dokumentiert
  • Rollen- und Rechtekonzept in der Praxis (wer hört was?)
  • Headset nur für Praxisgeräte (kein Privat-Laptop)
  • Keine Patientendaten in freien Demos hochladen

Häufige Fragen zur Spracherkennung in der Medizin

Wie gut ist die Erkennungsgenauigkeit 2025?

Mit gutem Mikrofon und ruhigem Raum 95–98%. Fachbegriffe, Medikamentennamen und Abkürzungen werden zuverlässig erkannt – Korrektur bleibt wichtig.

Brauche ich Dragon Medical unbedingt?

Nicht zwingend. Viele Praxen fahren 2025 mit Cloud-ASR plus KI-Vorlagen sehr gut. Dragon bleibt stark – aber es gibt valide Alternativen.

Ist das DSGVO-konform in Deutschland/Österreich/Schweiz?

Ja, wenn Verarbeitung in der EU-Region erfolgt, Verträge sauber sind und die Praxis interne Prozesse regelt. Tools wie DocReport laufen standardmäßig in EU-Regionen.

Womit starte ich am besten?

Mit einem Headset, einem klaren Workflow und 2–3 häufigen Vorlagen. Erst diktieren, dann strukturieren, dann korrigieren – so kommt die Zeitersparnis.

MH

Über den Autor

Dr. med. Michael Hoffmann ist Internist und arbeitet seit 15 Jahren mit digitalen Workflows in der Praxis. Er testet regelmäßig Spracherkennung und Dokumentations-Tools und teilt seine Ergebnisse hier im Blog.

Weiterführende Artikel