ICD-10 Codes bei Depression: Überblick, Beispiele und praktische Tipps für den Praxisalltag
Depressionen gehören zu den häufigsten Diagnosen in der hausärztlichen und fachärztlichen Versorgung. Dieser Artikel fasst die wichtigsten ICD-10-Codes für Depression (F32, F33, F34) zusammen – mit Praxisbeispielen, typischen Fehlern und konkreten Dokumentationstipps.

Warum die richtige ICD-10-Kodierung bei Depression so wichtig ist
Die korrekte ICD-10-Kodierung ist mehr als nur Bürokratie. Sie beeinflusst Ihre Abrechnung, die Begründbarkeit gegenüber KV, PKV und MD, und sie entscheidet mit darüber, wie klar der Verlauf einer Erkrankung später nachvollzogen werden kann. Gerade bei Depressionen sehen wir in vielen Praxen immer wieder dieselben Muster: unspezifische Codes, nicht dokumentierte Komorbiditäten und fehlende Angaben zu Schweregrad und Dauer.
Im Ergebnis entstehen unnötige Rückfragen, unschöne Diskussionen bei Prüfungen und häufig auch das ungute Gefühl, dass die Dokumentation „eigentlich besser sein müsste“ – aber im Alltag schlicht die Zeit fehlt. Genau an dieser Stelle kann ein strukturierter Blick auf die wichtigsten ICD-10-Codes helfen.
ICD-10 F3 – Affektive Störungen im Überblick
Depressionen gehören im ICD-10 zum Kapitel F3 – affektive Störungen. In der hausärztlichen und psychiatrischen Versorgung sind vor allem drei Bereiche relevant:
- F32 – Depressive Episode
- F33 – Rezidivierende depressive Störung
- F34.1 – Dysthymia (anhaltende affektive Störung)
Die Kunst im Alltag besteht darin, aus Anamnese, Verlauf und Vorerkrankungen die passende Kategorie zu wählen – und diese so zu dokumentieren, dass sie auch Jahre später noch nachvollziehbar ist.

F32 – Depressive Episode
F32 wird verwendet, wenn es sich um eine einzelne depressive Episode handelt – also ohne klar rezidivierenden Verlauf. Die wichtigsten Unterkategorien sind:
- F32.0 – leichte depressive Episode
- F32.1 – mittelgradige depressive Episode
- F32.2 – schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome
- F32.3 – schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen
- F32.8 – sonstige depressive Episoden
- F32.9 – depressive Episode, nicht näher bezeichnet
In der Praxis lohnt sich ein kurzer Moment der Reflexion: Reicht es, „Depression“ zu kodieren, oder ist der Schweregrad klar erkennbar? Bei mittelgradigen und schweren Episoden sollten Symptome, Funktionsbeeinträchtigung und Suizidalität explizit dokumentiert werden.
Beispiel aus der hausärztlichen Versorgung
Eine 42-jährige Patientin stellt sich mit seit sechs Wochen bestehender gedrückter Stimmung, Interessenverlust, Schlafstörung und verminderter Belastbarkeit vor. Sie berichtet keine psychotischen Symptome, verneint Suizidgedanken, beschreibt aber eine deutliche Einschränkung im Berufsalltag.
Hier ist F32.1 – mittelgradige depressive Episode in vielen Fällen die passendere Wahl als eine unspezifische F32.9-Kodierung. Entscheidend ist die ergänzende Dokumentation: Dauer, Anzahl der Haupt- und Zusatzsymptome, Auswirkungen auf Alltag und Beruf sowie der explizite Hinweis, dass Suizidalität erhoben wurde.
F33 – Rezidivierende depressive Störung
F33 kommt ins Spiel, wenn die Patientin oder der Patient bereits mehrere depressive Episoden im Verlauf hatte. Aus abrechnungs- und gutachterlicher Sicht ist diese Differenzierung wichtig, auch wenn sie im Alltag gerne „untergeht“.
- F33.0 – rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode
- F33.1 – rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
- F33.2 – rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome
- F33.3 – rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen
- F33.4 – rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert
- F33.9 – rezidivierende depressive Störung, nicht näher bezeichnet
Für den Praxisalltag bedeutet das: Wenn in der Anamnese bereits mehrere depressive Episoden dokumentiert sind, ist F33 meist die fachlich sauberere Wahl – und häufig auch besser begründbar, etwa bei Anträgen auf Psychotherapie, Reha oder bei Langzeitmedikation.
F34.1 – Dysthymia: Die „leise“ Schwester der Depression
Dysthymia (F34.1) beschreibt eine chronisch depressive Verstimmung über Jahre hinweg – oft mit eher milden, dafür aber hartnäckigen Symptomen. Im Alltag wird diese Diagnose häufig übersehen, obwohl sie den Verlauf und die Therapiewahl entscheidend beeinflussen kann.
Wenn Patient:innen seit Jahren „irgendwie gedrückt“ sind, aber nie die Kriterien einer klaren Episode erfüllen, lohnt sich ein genauer Blick auf F34.1. Eine sorgfältige Verlaufsdokumentation macht hier den Unterschied – besonders bei Gutachten und Reha-Anträgen.
Abgrenzung zu Anpassungsstörung, Burnout und Angststörung
Im deutschsprachigen Raum werden Depression, Anpassungsstörung und „Burnout“ im Alltag häufig vermischt. Für die ICD-10-Kodierung ist die Unterscheidung jedoch wichtig:
- F43.2 – Anpassungsstörung: klarer Auslöser, zeitlich begrenzte Reaktion auf Belastung
- Z73.0 – Zustand der totalen Erschöpfung: entspricht dem, was viele als „Burnout“ bezeichnen
- F41.1 – Generalisierte Angststörung oder F41.2 – Angst und depressive Störung, gemischt
Entscheidend ist die Kombination aus Dauer, Symptomkonstellation und Funktionsbeeinträchtigung. Auch hier gilt: Eine saubere dokumentierte Anamnese ist mehr wert als die „perfekte“ Kodierung ohne Begründung.
Häufige Fehler bei der ICD-10-Kodierung von Depression
In Gesprächen mit Praxen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sehen wir immer wieder dieselben Muster:
- Übermäßige Nutzung von F32.9/F33.9, obwohl Schweregrad und Verlauf eigentlich bekannt sind.
- Keine explizite Dokumentation der Suizidalität – selbst bei mittelschweren und schweren Episoden.
- Fehlende Kennzeichnung als rezidivierend, obwohl bereits mehrere Episoden bestanden.
- Begleiterkrankungen (Angst, Schlafstörungen, somatoforme Beschwerden) werden nicht kodiert.
- Kein erkennbarer Bezug zwischen Diagnose und Therapieplanung im Bericht.
Viele dieser Fehler entstehen nicht aus Unkenntnis, sondern aus Zeitdruck. Genau hier setzen moderne Tools wie DocReport an.
Wie DocReport bei ICD-10-Kodierung und Dokumentation unterstützt
DocReport ist eine spezialisierte Plattform für Ärzt:innen, die medizinische Dokumentation, ICD-10-Kodierung und Abrechnungsvorbereitung verbindet. Sie können entweder frei diktieren oder kurz stichwortartig dokumentieren – die KI analysiert den Text und schlägt passende ICD-10-Codes vor, unter anderem für Depression, Angststörungen und somatoforme Beschwerden.
Sie behalten jederzeit die Kontrolle: Die Vorschläge sind Empfehlungen, keine Automatismen. Sie entscheiden, welche Codes übernommen, angepasst oder verworfen werden. So entstehen nachvollziehbare Berichte, die sowohl medizinisch als auch abrechnungstechnisch stimmig sind.

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Checkliste für die ICD-10-Kodierung bei Depression
Wenn Sie depressive Symptome kodieren, helfen folgende Fragen bei der Einordnung und Dokumentation – unabhängig davon, ob Sie DocReport nutzen oder klassisch dokumentieren:
- Handelt es sich um die erste Episode oder gibt es bereits frühere Episoden (F32 vs. F33)?
- Wie schwer ist die Symptomatik (leicht, mittel, schwer)?
- Wie lange bestehen die Symptome bereits (Wochen, Monate, Jahre)?
- Liegt eher eine Anpassungsreaktion (F43.2) oder eine voll ausgeprägte Depression vor?
- Wie stark sind Beruf, Familie und Alltag eingeschränkt?
- Wurde Suizidalität aktiv erhoben und dokumentiert?
- Gibt es relevante Komorbiditäten (z. B. Angst, Sucht, somatoforme Störung)?
Fazit: Saubere ICD-10-Kodierung bei Depression – mit weniger Aufwand
Eine korrekte ICD-10-Kodierung von Depressionen ist medizinisch sinnvoll, rechtlich wichtig und gleichzeitig im hektischen Praxisalltag eine Herausforderung. Mit einem klaren Blick auf die relevanten Codes (F32, F33, F34.1), einer strukturierten Anamnese und – wenn Sie möchten – Unterstützung durch DocReport können Sie dieses Thema deutlich entspannter angehen.
Wenn Sie ausprobieren möchten, wie sich Ihre Dokumentations- und Kodierarbeit anfühlt, wenn KI Ihnen einen Großteil der Detailarbeit abnimmt, besuchen Sie unsere Startseite:
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Häufige Fragen (FAQ)
Welche ICD-10-Codes sind bei Depression am wichtigsten?
In der Praxis sind vor allem F32.0–F32.3 (depressive Episoden), F33.0–F33.3 (rezidivierende depressive Störungen) und F34.1 (Dysthymia) relevant. F32.9 und F33.9 sollten eher die Ausnahme bleiben, wenn keine genauere Spezifizierung möglich ist.
Wie grenze ich Depression von einer Anpassungsstörung ab?
Bei Anpassungsstörungen steht meist ein konkretes Belastungsereignis im Vordergrund, die Symptomatik ist insgesamt weniger schwer ausgeprägt und zeitlich begrenzter. Depressionen sind in der Regel intensiver, dauern länger an und gehen deutlich stärker mit Funktionsverlust im Alltag einher.
Muss ich immer den Schweregrad kodieren?
Ja, soweit möglich sollte der Schweregrad (leicht, mittel, schwer) angegeben werden. Das macht die Diagnose fachlich sauberer, hilft bei der Therapieplanung und ist gegenüber KV, PKV und MD deutlich besser begründbar.
Kann DocReport mir konkrete ICD-10-Codes für meine Dokumentation vorschlagen?
Ja. DocReport analysiert Ihre diktierte oder getippte Dokumentation und schlägt passende ICD-10-Codes vor – unter anderem für Depression, Angststörungen, somatoforme Störungen und viele weitere Diagnosen. Sie entscheiden, was übernommen wird.